Apple Watch: Was Apple nicht aussprechen will

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Es fällt Apple sichtlich schwer, über diese nichtsdestotrotz unumstößliche Tatsache zu sprechen: Die Apple Watch macht es überflüssig, das iPhone aus der Tasche zu ziehen. Das hat mir Josh Dzieza von The Verge gerade in seinem Online-Artikel erklärt, in dem er logisch argumentiert, warum Apple während der Keynote am Montag über den vordergründigen Zweck der Watch geschwiegen hat.

Hier folgt eine freie Übersetzung des Artikels für Euch:

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Apple will nicht über den tatsächlichen Verwendungszweck der Apple Watch sprechen

Erklärung, dass die Watch dazu zwingt, sich einzugestehen, dass Smartphones eine Belastung sein können

von Josh Dzieza am 10.03.2015

Gestern hat Tim Cook alles vorgeführt, was man mit einer Apple Watch so anstellen kann. Man kann seinen Herzschlag übertragen und sein Garagentor damit öffnen; man kann einen Uber-Fahrer anfordern und auf Instagram stöbern. Im Prinzip kann man eine Menge der Dinge machen, die man auch auf seinem Handy machen kann, nur eben am Handgelenk. Das hört sich ganz nett an, aber beantwortet die Frage nicht, warum Ihr denn nun ein paar hundert Dollar (oder sogar mehr) für ein Gerät ausgeben soll, das eigentlich das Gleiche tut, wie das Gerät in Eurer Hosentasche. Apples Herausforderung war es, einen fesselnden Nutzungsgrund für die Watch zu präsentieren, was sie fast gänzlich verfehlt haben. „Es kommt mir immer noch vor wie eine große Menge an interessanten Ideen ohne ein vereinheitlichendes Leitmotiv“, schrieb Nilay (gemeint ist Nilay Patel, ebenfalls Autor bei The Verge) nach ausführlichem Testen der Watch.

Das Ding ist, die Watch hat einen Nutzungsgrund, es ist nur hart für Apple darüber zu sprechen. Letzte Woche hat Matthew Panzario bei TechCrunch geschrieben, dass das beste an der Watch ist, laut den Apple-Mitarbeitern, die sie getestet haben, dass sie es ihnen ermöglicht hat, ihr Handy praktisch nicht mehr direkt zu nutzen. Statt ihr Smartphone alle paar Minuten aus der Tasche zu fischen, konnten sie eingehende Benachrichtigungen auf der Uhr prüfen und dort bereits entscheiden, ob sie diese beantworten oder ignorieren möchten. Panzarino stellt sich eine Zukunft vor, in der uns die Watch helfen wird, weniger abgelenkt und öfter präsent zu sein.

Aber wie stellt man sich auf die Bühne und sagt, dass das Beste am neuen Gerät ist, dass es fördert, dass man das andere Gerät, an dessen Entwicklung zu einem Fetisch-Objekt man 8 Jahre gefeilt hat, weniger oft benutzt? Natürlich braucht man trotzdem noch ein iPhone, um die Watch überhaupt nutzen zu können, also ist es nicht so, als ob die Watch damit droht, das Smartphone zu ersetzen – aber rethorisch ist es ein heikles Statement, das auch auszusprechen. Dafür müsste man ja zugeben, dass die Leute manchmal eine stressige Beziehung zu ihren Handys haben können, und dass ihre Anhänglichkeit dazu ambivalent sein kann. Sicher, ich fühle mich erleichtert, wenn ich mein Handy kontrolliere und angespannt, wenn der Akku kurz vor dem Garaus ist, aber das ist eine andere Art von Obsession als die Art, die Apple mit seinen überladenen videos von kalt-geschmiedeten Stahl-Uhrengehäusen erzeugt. Es ist viel verpflichtender und unfreier. Um den besten Pitch für die Watch zu erreichen, müsste man zugeben, dass Geräte eine Last sein können, nicht nur Werkzeuge für die Erweiterung der eigenen Fähigkeiten.

Es ist außerdem ein paradoxes Statement. Wie erzählt man Leuten, die sich unwohl fühlen bei dem Gedanken, zu abhängig von ihren Handys zu sein, dass die Lösung dafür der Kauf eines weiteren Gerätes ist, das sie physisch an ihren Körper schnallen und das bei jeder eingehenden Nachricht vibriert? Fühlt man sich dann zu vernetzt? Vielleicht aber ist man einfach nicht genug vernetzt! Cooks Aussage, dass die Watch „nicht nur einfach mit Dir, sondern an Dir“ ist, ist sowohl ansprechend – weil es keinen Grund gibt, immer zwanghaft nach dem Handy zu greifen – als auch ominös bedrückend, abhängig davon, wie man zu den ständigen Push-Nachrichten steht.

Und natürlich gibt es da noch die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Watch einen eben nicht von den anderen Geräten befreit – stattdessen sogar das Gegenteil bewirkt. Wird man wirklich damit aufhören, immer nervös zu prüfen, ob man etwas verpasst hat, oder wird ein Bildschirm, zu dem man einfacher Einblich erhält, es einfacher machen, diesem Drang zu widerstehen? Wird man sich zwischen den Push-Nachrichten entspannen können, oder wird man in einen konstanten Zustand von Erwartung und halb-abgelenkter Aufmerksamkeit gezwungen? Zumindest kann man jetzt sein Handy auf stumm stellen und es mit dem Screen nach unten hinlegen, wenn man sich etwas davon distanzieren will; eine Uhr ist immer an – und „an Dir“, wie Cook so treffend gesagt hat _ zumindest wenn sie nicht gerade auflädt. Außerdem, wenn die Watch zur Norm wird, dann wird jeder wissen, wenn man eine Nachricht erhält, etwas aufschnappen oder erwähnen und von einem erwarten, sofort darauf zu antworten. Aktuell könnte eine verspätete Antwort bedeuten, dass man sein Handy einfach nicht gehört hat; mit einer Watch wäre es dann eine Unhöflichkeit.

Ich bin dazu bereit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass ein Wearable Device manche technische Defizite erleichtern könnte – tatsächlich denke ich sogar, dass das ihr größtes Potential ist – aber ich kann mir auch einige Fälle vorstellen, bei denen die Probleme durch die Watch verstärkt werden, was nur ein weiterer Grund für Apple ist, die Finger von diesem Thema zu lassen.

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Fazit der Redaktion

Auf jeden Fall eine sehr interessante Ausführung von Josh Dzieza. Uns hat sie definitiv zum nachdenken gebracht, was Wearables für unsere Zukunft bedeuten könnten. Wie denkt Ihr darüber? Alles Panikmache oder begründete Bedenken? Konstruktive Kommentare sind gerne erwünscht.

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